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Der österreichische Fußball und seine verrückten Vereinsnamen

Man mag es kaum glauben, aber es ist tatsächlich so: Der österreichische Fußball nahm auf einem speziellen Gebiet eine Vorreiterrolle in Europa ein, nämlich im Bereich des Trikot- und Vereinsnamensponsorings.

Beginnend bei der Wiener Austria Mitte der 1960er Jahre mit dem berühmten Bierkrug von Schwechater kamen immer mehr Vereine auf die Idee, durch diese Form der Werbung Geld zu lukrieren. 1969 war mit Sturm Durisol auch erstmals ein Sponsor im Vereinsnamen verankert.

Fußballaffine, deutsche Studienkollegen sprechen oft davon, dass unsere Spieler teilweise wie Litfaßsäulen herumlaufen und im Teletext Sponsoren den Vorrang gegenüber der Stadt eines Teams bekommen. Damit haben sie traurigerweise nicht unrecht. Bei keiner Bewerbsauslosung der Welt müssen aufgrund der Länge der Vereinsnamen wohl so viele Bäume geopfert werden, wie in Österreich. Man munkelt weiters, dass bei keiner Cupauslosung so oft überzogen wird, wie in Österreich.

Folgend einige „Highlights“ aus der österreichischen Profifußballgeschichte, ohne Ranking:

McDonalds Vienna

Der älteste Fußballverein des Landes ging Anfang der 1990er Jahre eine Partnerschaft mit dem „Schachtelwirt“ aus den USA ein. Es spricht an sich nichts gegen einen einheitlich englischen Klang eines Vereinsnamens, jedoch wirkt der Sponsor unpassend. McDonalds konnte zumindest damals in Österreich im Vergleich zum gesponserten Team auch noch nicht mit Tradition verbunden werden – schließlich gab es die Franchisekette erst seit gut 15 Jahren in Österreich (erste Filiale 1977).

Foto Nettig Vienna

Gleich noch einmal die Vienna: Foto Nettig Vienna war der Vorgängername des Vereins. Begründet dadurch, dass der damalige Präsident Walter Nettig hieß und sein gleichnamiges Unternehmen Hauptsponsor war. Ein Präsident im Vereinsnamen – ein Kuriosum.

Komm&Kauf Vorwärts Österreich

Nein, es handelt sich nicht um ein Sponsoring beim Nationalteam. Vorwärts Steyr spielte im Herbst 1997 tatsächlich unter diesem Namen.Nach der Winterpause verabschiedete man sich von diesem Ausrutscher und stieg als Vorwärts Steyr zum bis dato letzten Mal in die Bundesliga auf. Eine gute Wahl.

Radio CD Kremser SC

Der Cupsieger von 1988 fiel danach neben dem Transfer von Mario Kempes auch mit einem außergewöhnlichen Vereinsnamen auf. Noch außergewöhnlicher wirkten die ständig wechselnden Trikots, von Pink bis Gelb ist auf den damaligen Mannschaftsfotos alles vertreten. Krems verabschiedete sich 1994 in die Niederungen des österreichischen Fußballs, Radio CD war 1998 komplett Geschichte.

SV Marc O’Polo Ried

Die inzwischen etablierte Spielvereinigung aus Ried trat Mitte der 1990er Jahre unter diesem Namen auf. Mit der Keine-Sorgen-Arena sorgt man bis heute für einen kuriosen Sponsoringnamen im Vereinsumfeld, der Sponsor der Aufstiegssaison übertrifft dies jedoch sogar. Der Schlachtgesang „SV Marc O’Polo Ried“ mit einer Portion Selbstironie sorgte in der damaligen Zeit nicht selten für Gelächter bei Auswärtsfans.

SV Fliesen Nessl Spittal Millstättersee

Ein Vereinsname mit 35 Zeichen ohne Leerzeichen. Jeder weitere Kommentar erübrigt sich.

SV Perlinger Naturprodukte Wörgl

Ebenso ein ewig langer Clubname, der für Geographiefeinde kaum noch erkennen lässt, welche Stadt hinter dem Verein steckt.

Wiener Sportclub – Der Clou

Ganz üble Kost. Eigentlich sollte 1993/94 Beate Uhse als Sponsor einsteigen, ersatzweise wurde es „Der Clou“. Selbiger ging nicht wirklich auf, der Verein musste in den Zwangsausgleich, stieg ab und fand nie wieder den Weg zurück in die Bundesliga.

Wiener Sportklub AXA Wienstrom

Noch einmal der Traditionsverein aus Hernals: Mit diesem Namen wurde der Versuch gestartet, sich Anfang der 2000er Jahre wieder im Profifußball zu etablieren. Nach dem Aufstieg in die Erste Liga im Jahr 2002 ging es ein Jahr darauf allerdings mit viel Pech gleich wieder retour in die Regionalliga Ost.

SV Braunau Sparkasse-Dominique

Als SV Sparkasse Braunau war der Verein jahrelang in der zweithöchsten Spielklasse vertreten. Im Herbst 1993 gab es auch den eigenwillig anmutenden Zusatz der Boutique Dominique. Noch verwunderlicher, dass trotz zweier Sponsoren im Vereinsnamen das Trikot am dazugehörigen Mannschaftsfoto komplett werbefrei war…

FavAc-Sega

Bis 1997 spielte der FavAc in der damaligen Zweiten Division. Als letzten großen Erfolg kann man den Sieg beim Stadthallenturnier 1992/93 nennen, wo der Verein als FavAc-Sega auftrat. Sega war damals mit dem MegaDrive sehr erfolgreich am Markt unterwegs, heute ist man wie der FavAc eher von der großen Bildfläche verschwunden.

FC Innsbruck Capillaris Tirol

Unter diesem Namen traten die Tiroler in der Saison 1993/94 an. Nach dem Ausstieg von Swarovski 1992 stand der Verein vor düsteren Zeiten (wie es bis heute der Fall ist), im Sommer 1993 war man lange Zeit gar ohne Sponsor. Schwarzkopf sprang noch rechtzeitig ein und verankerte sein Haarwuchsmittel „Capillaris“ im Vereinsnamen und sorgte für diesen kuriosen Vereinsnamen. Im Anschluss kam es recht bald zum FC Tirol Milch Innsbruck, der wiederum eher Kultfaktor im positiven Sinne hat.

SK stabil FENSTER Sturm Graz

Der letzte Sponsor der Grazer, bevor Puntigamer 1996 einstieg. Der Sponsor bestand nach dem Bundesliga Journal bei diesem (zu) langen Vereinsnamen darauf, dass „FENSTER“ in Majuskeln geschrieben wird. Wie auch immer: Mit diesem Sponsor wurde immerhin der erste Titel in der Geschichte der Grazer (Cupsieg 1996) errungen und der große Aufstieg begann.

GAK-Ringschuh

Der Grazer Stadtrivale lief von 1980 bis 1990 unter diesem Namen auf. Ein sportliches Auf und Ab prägte diese Zeit, der Name verankerte sich jedoch in den Köpfen der Fußballinteressierten von Wien bis Bregenz.

SV Schmidt norm Flavia Solva

Flavia Solva hat sich ja an sich einen Kultstatus unter den österreichischen Vereinsnamen erarbeitet. Aber in Kombination mit einem zweiteiligen Sponsornamen ist es einfach nur jenseits von Gut und Böse.

FC BauMit Admira Wacker

Bis 1996 kannte man die Admira unter diesem Namen. Darunter fallen auch die erfolgreichen Zeiten im Uefa-Cup und Cup der Cupsieger. Der Name prägte sich – auch durch etliche Werbekampagnen – bestens in das Gedächtnis der Fans ein, der Konzern wird noch heute gerne mit der Admira verbunden. Ein Bundesliga-Comeback konnte BauMit als Einzelsponsor von Stefan Maierhofer bei Wiener Neustadt Jahre später vermelden.

SC interwetten.com

Die erste Internetseite, die einen Vereinsnamen ersetzte. Der hochambitionierte Verein wollte unter diesem Namen in die Bundesliga aufsteigen, was unter Heribert Weber jedoch misslang. Hinter diesem Verein steckte übrigens der SC Untersiebenbrunn.

SCS bet-at-home.com

Einmal gehts noch: Auch der SC Schwanenstadt versuchte sich erfolglos hinter einer Domain zu verstecken. Im Jahr 2008 wurde die Lizenz nach Wiener Neustadt verkauft.

(Veröffentlicht im November 2016)

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